In Bensberg kommen jährlich rund 9% aller Kinder im Wasser zur Welt.
Das erste Kind wurde 1982 völlig unbeabsichtigt in der Badewanne geboren, die bis zu diesem Zeitpunkt von den Frauen lediglich zur Entspannung genutzt wurde. Bis sich dann eine Frau allen anderslautenden Anweisungen konsequent widersetzte, sich standhaft weigerte, zur Geburt die Wanne zu verlassen und den – zugegeben – doch leicht verärgerten Geburtshelfern mitteilte, daß sie ihr Kind im Wasser zu bekommen gedenke. Nachdem sich die erste Aufregung gelegt hatte – und zwei weitere Frauen Hebammen und Ärzte mit dem gleichen Ansinnen vor unumstößliche Tatsachen gestellt hatten – fand in Bensberg ein Prozeß des Umdenkens statt. Es wurden Möglichkeiten gesucht – und gefunden – den Geburtsverlauf auch im Wasser optimal überwachen zu können.
Gerd Eldering (bis Juli 2003 Chefarzt der Frauenklinik Bensberg) nahm auf internationaler Ebene Kontakte zu Geburtshelfern auf, die über entsprechende Erfahrungen mit Wassergeburten verfügen. Er entwickelte eine spezielle Wanne, die den Bedürfnissen der Frauen gerecht wird (z.B. erleichtert eine Tür den für Schwangere teilweise doch mit einigen Schwierigkeiten behafteten Wannenein- und -austieg) und Hebammen und Ärzte unfreiwillige "Tauchgänge" erspart.
Zusammen mit seinem Team entwickelte Dr. Eldering ein Management für Wassergeburten. Auf diese Weise übernahm die Bensberger Frauenklinik auf dem Gebiet der Wassergeburten die Vorreiterrolle in Deutschland. Inzwischen wurden in Bensberg mehr als 2000 Kinder im Wasser geboren. Eine Wassergeburt ist hier längst keine "Alternative" mehr, sondern eine von vielen möglichen Entbindungsformen. Und eine besonders gute noch dazu. In einer großangelegten Studie mit über 1000 Wassergeburten konnten die Bensberger nachweisen, daß Schmerzmittelverbrauch, Blutverlust und die Dammschnittrate im Wasser deutlich niedriger waren als bei vergleichbaren "Landgeburten". Auch die Geburtsdauer erwies sich als kürzer. Wissenschaftliche Daten über die kindliche Lungenentwicklung wurden zusammengetragen, die das lang gehegte Vorurteil, die Kinder könnten im Wasser ertrinken, eindeutig widerlegten.
Auch unter Sicherheitsaspekten steht eine Wassergeburt einer "Landgeburt" in nichts nach. Die Badewannen verfügen über sogenannte Induktionsschleifen, die eine gefahrlose Überwachung mittels Wehenschreiber (CTG) ermöglichen.



