Kaiserschnitt
Kaiserschnitt und Julius Caesar

Einer zweifelhaften Legende nach soll Julius Caesar aus dem Bauch seiner Mutter herausgeschnitten worden sein. Auch wenn sich heute nicht mehr klären läßt, ob die römischen Ärzte im Jahre 100 v.Chr. bereits die Schnittentbindung kannten und schon gar nicht, wie erfolgreich sie dabei waren, fest steht: die Operation trägt seitdem den Namen des berühmten römischen Kaisers.


Der Kaiserschnitt war bis Ende des 19. Jahrhunderts eine Schreckensvision aller werdenden Mütter. Kaum eine Frau überlebte den Eingriff, fast alle starben an inneren Blutungen oder Infektionen. Erst dem italienischen Chirurgen Eduardo Porro, Professor für Geburtshilfe im San Matteo Hospital in Padua, gelang es, die Sterblichkeit zu senken, indem er den Kaiserschnitt mit einer Gebärmutterentfernung verband. Das war im Jahr 1875. Andere folgten seiner Empfehlung und nur wenig später verzeichneten Ärzte erstmals das Überleben nahezu der Hälfte aller Mütter. Heute, wo das Risiko, an einem Kaiserschnitt zu sterben, bei etwa 0,01 % liegt, mag uns eine derart hohe Sterblichkeit von etwa 50 % unglaublich erscheinen – damals war sie revolutionär. Doch das ist lange vorbei.


Kaiserschnitt am Vinzenz Pallotti Hospital
Kaiserschnitt: Mutter mit ihrem Neugeborenem

Den Kaiserschnitt gibt es immer noch, seinen Schrecken aber hat er verloren. Zu Recht. Eine "Sectio caesaraea" gehört heute zum Routineprogramm aller Frauenkliniken. Denn auch heute noch gibt es in der geburtshilflichen Praxis immer wieder Situationen, in denen ein Kind nicht auf natürlichem Weg geboren werden kann und ein Kaiserschnitt erfolgen muß. In Bensberg führen wir eine Schnittentbindung in der Regel in Epidural- oder Spinalanästhesie durch. Diese garantieren völlige Schmerzfreiheit, bieten aber den Vorteil, daß die Frau bei vollem Bewußtsein bleibt und ihr Kind direkt in Empfang nehmen kann.

 

Der Vater erlebt die Geburt mit

Die Anwesenheit des Vaters im Operationssaal ist dabei ausdrücklich erwünscht. Er kann am Kopfende neben der Mutter sitzen und beide können dann gemeinsam ihr Kind in die Arme nehmen – und das bereits, während der Bauch noch zugenäht wird. Noch während des Kaiserschnittes oder direkt im Anschluss daran kann die Mutter das Kind sofort das erste Mal an die Brust legen, was für den weiteren Stillerfolg von großer Bedeutung ist. Ein weiterer Vorteil der EDA besteht darin, daß die Frau direkt nach der Operation wieder essen und bereits am gleichen Abend wieder aufstehen kann. Infusionen und Wunddrainagen sind nicht nötig.

 

Operations-Methode: Misgav Ladach

Schon vor Jahren hat Bensberg als erste Klinik Deutschlands die in Israel entwickelte "Misgav Ladach" - Methode übernommen und populär gemacht. Es handelt sich dabei um ein schonendes Operationsverfahren, bei dem die Gewebeschichten nicht mit dem Messer durchtrennt, sondern lediglich leicht eingeschnitten und dann auseinandergezogen und -gedehnt werden. Nerven und Blutgefäße, die sonst durchtrennt werden müßten, bleiben so erhalten. Das beschleunigt den Heilungsprozeß, und die Frau kann schon fünf Tage nach der Operation das Krankenhaus wieder verlassen. Ein weiterer Vorteil der "Misgav Ladach" - Methode ist die kurze Operationsdauer im Vergleich zu einer "herkömmlichen" Sectio.

 

In der Regel nehmen wir in Bensberg einen Kaiserschnitt erst nach Einsetzen regelmäßiger Wehen vor. Der Grund: Geburtswehen lösen eine Hormonumstellung im kindlichen Kreislauf aus. Gleichzeitig wird die kindliche Lunge kurz vor der Geburt auf die Übernahme des Gasaustausches vorbereitet. Das Baby produziert unter den Wehen große Mengen sogenannter Streßhormone, die das Blut aus unwichtigen Organen verdrängen und Gehirn, Herz, und Muskeln verstärkt mit Sauerstoff versorgen. Ein natürlicher Schutzmechanismus, wie wir ihn auch aus dem Leistungssport kennen. Für das Kind stellt die Geburt eine sportliche Höchstleistung dar, und die Streßhormone schützen es dabei vor Sauerstoffmangel. Wird ein Kaiserschnitt erst nach Wehenbeginn durchgeführt, profitiert auch ein "Sectio-Kind" von den Vorteilen der hormonellen Umstellung.

 

Mutter und Kind gehören für uns zusammen – auch nach einem Kaiserschnitt. Das Neugeborene wird nicht getrennt von seiner Mutter zur Beobachtung ins Kinderzimmer verlegt. Beide werden gemeinsam z.B. im Familienzimmer betreut. Auch nach einer Sectio ermuntern wir Frauen, ihr Kind von Anfang an selbst zu versorgen und unterstützen sie dabei je nach Bedarf.

 

Wohlfühlwochenende

"Narben an Körper und Seele"

Ein Wohlfühlwochenende für Frauen nach einem Kaiserschnitt

 

Veranstaltungstermine erfragen Sie bitte über das Sekretariat der Elternschule

Telefonnummer 02204/41-6560

  • Flyer Wohlfühlwochenende für Frauen nach einem Kaiserschnitt (PDF)