Wenn Eltern mit der Diagnose konfrontiert werden, dass ihr Kind nicht lebend zur Welt kommen wird, ist das ein schwerer Schicksalsschlag für sie und löst Gefühle wie Hilflosigkeit, Wut, Trauer und Panik aus. Für ein so einschneidendes biographisches Ereignis wie den frühen Tod eines Kindes, gibt es keine vertrauten und allgemein gesellschaftlich akzeptierten Rituale in unserer westlichen Kultur.
Manche Eltern reagieren spontan mit dem Wunsch einer schnellen, passiven Entbindung, möglichst unter Vollnarkose oder diese Vorgehensweise wird ihnen vom medizinischen Personal vorgeschlagen. Die Schwangerschaft wird negiert und das Kind damit in seiner Existenz verneint. Es erfolgt ein Verdrängungs- statt ein Trauerprozeß.
Wir versuchen, den Paaren von der Diagnose bis zur Geburt sehr viel Zeit zu lassen, um sich von den Träumen, Wünschen, Hoffnungen, der Schwangerschaft und dem Kind zu verabschieden. Wenn medizinisch vertretbar, werden Paare in unserem Krankenhaus ermuntert, noch einmal nach Hause zu gehen, um sich in vertrauter Umgebung zurückzuziehen oder mit der Familie und Freunden zusammen zu sein. Manche Paare nutzen diese Zeit, um Briefe zu schreiben, zu malen oder Fotos vom Bauch zu machen, sofern die Schwangerschaft schon weiter fortgeschritten ist. Das geburtshilfliche Team des Kreißsaals steht jederzeit für Gespräche zur Verfügung, der mögliche Ablauf der Geburt, die Gestaltung, Möglichkeiten der Schmerzerleichterung ohne Bewußtseinseinschränkung und Informationen über rechtliche und weitere organisatorische Dinge sind Inhalt dieser Gespräche.
Wir stehen den Eltern in ihrem individuellen Trauerprozeß zur Seite, unterstützen sie in dem bewußten Erleben der Geburt und dem aktiven Abschiednehmen. Dabei betreuen wir Frauen ab der 13. Schwangerschaftswoche im Kreißsaal, in dem Bewußtsein, dass auch winzig kleine Fehlgeburten in dem Erleben der Eltern durchaus deren Kinder sind.
Als Trauerritual bieten wir neben gedämpftem Licht im Kreißsaal einen geschmückten Tisch mit Kerze, Bergkristall und Blütenschale an. Wir gehen respektvoll mit dem geborenen Kind um. Die Eltern können es sehen, anfassen, je nach Größe baden, es anziehen, Fotos machen; alles zu dem Zeitpunkt, der für sie der richtige ist. Das Kind wird mit Namen angesprochen. Auf Wunsch wird das Kind gesegnet.
Als Erinnerungsstücke machen wir Hand- und Fußabdrücke auf eine Karte; die Kerze, ein Namensbändchen, Fotos und evtl. das Körbchen werden mitgegeben. Besucher und Familienangehörige sind willkommen, sofern das Paar es wünscht.
Wir stellen Kontakt zum psycho-sozialen Dienst unseres Hauses, www.heike-brueggemann.de, zu nachsorgenden Hebammen, zu Bestattern oder unserer Selbsthilfegruppe "Leere Wiege" her. Die Aufgabe aller Trauerrituale liegt darin, sich aktiv zu verabschieden, sich mit dem Schicksal, dem Leid auszusöhnen. Es soll der Trauer ein Weg nach draußen gezeigt werden, damit die Seele wieder heilen kann. Wir versuchen, die Paare in diesem Prozeß zu unterstützen.


